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Ausprobiert: Citroën C-Zero

14.12.2010 13:25:23 | Cornelia Wahl

Citroen C-Zero Köln, Anfang Dezember 2010, eiskalt, nasse Pistenverhältnisse. Ein besseres Timing für die Deutschland-Präsentation des Elektroautos C-Zero hätte Citroën sich nicht wünschen können. Inmitten der Stadt beginnt die Probefahrt mit dem 3,48 Meter langen, 1,792 Meter breiten und 1,61 Meter hohen Kleinwagen mit den kurzen Überhängen und den ausgestellten Radhäusern. Nach dem Platznehmen und dem Starten sind die Anzeigen am auffälligsten. Dort wo sonst Tachometer, Drehzahlmesser und viele bunt leuchtende Warnlämpchen angebracht sind, gibt sich der C-Zero eher spartanisch. Links oben gibt eine kleine Anzeige Auskunft über den Ladezustand und den eingelegten Gang, darunter steht ein kleines Ready. Rechts oben wird die Reichweite angezeigt. Dazwischen wird die Geschwindigkeit digital dargestellt. Und ein im großen Halbrund verlaufendes Farbband zeigt an, in welchem Modus man gerade unterwegs ist. Dunkelblau bedeutet: die Batterie wird gerade aufgeladen, die Energierückgewinnung ist aktiv. Ist die rote Markierung im hellgrünen Bereich auszumachen, fährt man sparsam, und weiß heißt Power - die Batterie entlädt sich stärker.

So weit so gut, wie aber sieht dies in der Praxis aus. Nach dem Anlassen ist es mucksmäuschenstill. Keine Vibrationen, kein Ton vom Auto ist zu hören. Den Wählhebel des Automatikgetriebes von P auf D gestellt  und mit einem zaghaften Tritt aufs Strompedal löst sich die Parkbremse und der C-Zero setzt sich unspektakulär in Bewegung. Immer noch nichts zu hören. Der C-Zero bewegt sich weiter in Richtung morgendlichen Stadtverkehr. Und man merkt sofort: Hier ist er daheim. Der Null-Emissions-Citroën stromert gelassen und leichtfüssig durch den Verkehr. Einfädeln und Wendemanöver scheinen ihm richtig Spaß zu machen. Auch seiner Fahrerin, die sich zudem über die bequemen Sitze freut. Am Ampelstopp ist wieder kein Geräusch zu hören - außer der Unterhaltung zweier Passanten von außerhalb, die erstaunt schauen, als sich der Kleinwagen in Ei-Form an die Ampel heranschleicht. Tritt man beherzt aufs Strompedal, beschleunigt der annähernd 1,1 Tonnen schwere Wagen flink und die rote Markierung bewegt sich schon mal in den weißen Bereich der Anzeige. Das macht sie auch, wenn Verbraucher eingeschaltet werden. Beim Rollen oder Bremsen dagegen lädt sich die Batterie auf; ist man sparsam unterwegs zeigt der rote Strich ins Hellgrüne. Beim Losfahren deutete die Reichweitenanzeige auf 69 Kilometer - maximal sollen 150 Kilometer möglich sein. Nach einer Stadtfahrt von 15 Kilometern waren es am Ende noch 65 Kilometer. Dabei bewegte sich der Stromer stets unangestrengt, flott und agil im Stadtverkehr mit. Holter-die-Polter-Straßen nahm die Federung gelassen hin. Ebenso arbeitet die elektrische Servolenkung. Und die saukalten Minustemperaturen konnten dem C-Zero bei der kurzen Ausfahrt nichts anhaben.

Fast 70-PS-Motorleistung, Mischbereifung

Citroen C-Zero Cockpitanzeige Das Strommobil mit dem Doppelwinkel im Kühlergrill hat einen reinen Elektro-Antrieb mit einer Maximal-Leistung von 49 kW (67 PS). Als Dauerleistung sind 35 kW (48 PS) zur Verfügung. Das Drehmoment beträgt vom Fleck weg 180 Newtonmeter. Die Kraftübertragung übernimmt ein Automatikgetriebe mit den Stufen P für Parken, N für Neutral, R für Rückwärts und D fürs Fahren. Die Kraft wird dabei an die Hinterräder geleitet. Der Kleinwagen rollt auf 15 Zoll großen Rädern, die mit Reifen der Dimension 145/65 vorne und 175/55 hinten bestückt sind, und er soll maximal Tempo 130 schaffen.

Das Raumangebot für die Insassen fällt ordentlich aus. Selbst für groß Gewachsene bleibt ein gesundes Maß an Kopffreiheit. Den bis zu vier Insassen bleibt ein Gepäckraumvolumen von 166 Litern. Auch auf Komfort braucht man in dem kleinen Franzosen nicht zu verzichten: Klimaanlage, Fernbedienung für die Zentralverriegelung, Radio, elektrische Fensterheber, sechs Airbags, elektrisches Stabilitätsprogramm, Antiblockiersystem - alles Nötige ist mit an Bord. Wird allerdings die Mindestladung der Batterie erreicht, wird der Fahrer gewarnt. Um ein Liegenbleiben bis zur nächsten Ladestation zu verzögern, wird in einer ersten Phase die Versorgung der Komfortausstattung gekürzt ehe dasselbe in der nächsten Phase mit der Motorleistung geschieht.

Angekommen an der Ladestation vergehen sechs Stunden an der herkömmlichen Haushaltssteckdose, bis der C-Zero voll aufgeladen ist. An einer Schnellladestation sollen die Batterien nach einer halben Stunde zu 80 Prozent geladen sein. Apropos Batterie: Hier setzt Citroën auf Lithium-Ionen-Technik. Die 88 Zellen verteilt auf 22 Module sind in der Fahrzeugmitte untergebracht. Ihre Gesamtkapazität beträgt 16 kWh, ihre Betriebsspannung liegt bei 330 Volt. Die Batterieeinheit ist für annähernd 1500 Lade- und Entladezyklen ausgelegt.

Wer sich für null Emission, null Lärm beim Fahren und für den Citroën C-Zero entscheidet, muss zunächst einmal 35.164,50 Euro übrig haben. So viel kostet der Kleinwagen in der Anschaffung. Wer nicht den gesamten Betrag auf einmal bezahlt, kann sich für ein Leasing-Angebot entscheiden, bei dem eine Anzahlung von 6681 Euro fällig wird. Danach sind 36 Monate lang monatlich 459 Euro zu berappen. Dabei liegt die Grenze für die in diesen drei Jahren insgesamt zurückgelegten Kilometer bei 30.000. Für die reinen Verbrauchskosten pro 100 Kilometer berechnet Citroën 1,78 Euro, wenn die Heimat Köln ist. Zum Vergleich: Bei einem Durchschnittsverbrauch von sechs Liter Benzin und einem Spritpreis von 1,48 Euro pro Liter errechnen sich für eine gleich lange Strecke 8,88 Euro Verbrauchskosten.

Resümee

Die 35.164,50 Euro für den Citroën C-Zero (etwa das Doppelte eines benzinbetriebenen Kleinwagens) schlagen ein Loch ins Konto. Dafür bekommt man Fahrspaß in der Stadt, eine ordentliche Ausstattung und das im Hinblick auf null Emission beim Fahren derzeit technisch Machbare. Und: Man darf sich als Trendsetter fühlen. Verbesserungswürdig ist die Positionierung der Bedienung des Bordcomputers, die wäre besser am Lenkrad aufgehoben. Und angesichts des hohen Preises wünscht man sich für den hübsch gestalteten Innenraum einen Tick mehr Höherwertigkeit.

Bilder: Citroën