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Ottokraftstoff E10: Nicht für alle Fälle

04.01.2011 08:54:25 | Cornelia Wahl

Am Neujahrstag wurde mit der Einführung des neuen mit mehr Ethanol versetzen Kraftstoffesein neues Kapitel zum Thema "Vom Acker direkt in den Tank" eingeläutet. Mit dem zehnprozentigen Anteil von Ethanol (E für Ethanol, 10 für 10 Prozent) sollen motorbetriebene Fahrzeuge im Betrieb weniger Kohlendioxid ausstoßen und somit die Umwelt geschont werden.

Woraus besteht Ethanol?
Ethanol wird aus den pflanzlichen Rohstoffen Zuckerrohr, Getreide und Mais gewonnen.

Woran erkenne ich den neuen Kraftstoff an der Tankstelle?
Der neue Kraftstoff muss speziell, deutlich und mit einem Warnhinweis gekennzeichnet sein und auf dem Tankbeleg auch so ausgewiesen werden. An der Zapfsäule muss für Benzin (Oktanzahl: 91 ROZ) dann stehen: Benzin E10 (91 ROZ), für Super (95 ROZ) heißt es dann Super E10 (95 ROZ) und für Super Plus (98 ROZ), Super Plus E10 (98 ROZ). 

Verträgt mein Fahrzeug den E10-Kraftstoff?
Ob das Fahrzeug E10-tauglich ist, erfragt man vor der ersten Betankung. Dies kann man beim Hersteller tun. Listen gibt es auch beim DATADAC und beim Umweltministerium. Aber auch die Händler können Auskunft geben. Ebenso wie bei Autos und Motorräder sollte man die E10-Verträglichkeit auch für Roller, Mopeds, Boote, Motorsägen und Rasenmäher beim Händler oder Hersteller in Erfahrung bringen. 

Insgesamt können etwa 90 Prozent aller Fahrzeuge E10 tanken. Besonders hoch ist die Unverträglichkeit bei den Oldtimern. Ergibt eine Nachfrage beim Hersteller keine eindeutige Aussage, empfiehlt es sich, den herkömmlichen Kraftstoff in den Tank zu füllen. Dies gilt im Allgemeinen.

Ebenso können Fahrzeuge mit Benzin-Direkteinspritzung der ersten Generation von der Unverträglichkeit betroffen sein.

Was mache ich, wenn mein Fahrzeug E10 nicht verträgt?
Wenn das Fahrzeug E10 untauglich ist, kann man weiterhin den herkömmlichen, als Schutzsorte bezeichneten Kraftstoff tanken. Die Schutzsorte verfügt über einen fünf prozentigen Anteil an Ethanol und soll nach Angaben des Bundesumweltministeriums in Deutschland per Verordnung unbefristet auf dem Markt bleiben. Die EU schreibt vor, dass es bis mindestens 2013 erhältlich sein muss.

Was mache ich bei einer Fehlbetankung?
Bei einer Fehlbetankung gilt es, das Fahrzeug nicht zu starten. Am besten setzt man sich sofort mit der Fachwerkstatt in Verbindung, die das Kraftstoff-System von dem fälschlicherweise eingefüllten E10-Benzin befreit. 

Welche Schäden kann E10 verursachen?
E10 kann an Dichtungen und Metallbauteilen im Kraftstoffsystem Schäden anrichten. Dort verwendetes Aluminium kann korrodieren. Im schlimmsten Fall kann es dazu führen, dass sich auslaufendes Benzin an heißen Bauteilen wie Turbolader oder Auspuff entzündet und einen Fahrzeugbrand verursacht. 

Liegt der Verbrauch mit E10 höher?
Ja. Ethanol hat einen geringeren Energiegehalt (61 Prozent des konventionellen Kraftstoffes), aber einen höheren Sauerstoffgehalt wie herkömmliches Benzin. Der höhere Sauerstoffgehalt sorgt für eine verbesserte Verbrennung des Benzins. Auf Grund des geringeren Energiegehaltes kommt es jedoch bei gleicher Fahrweise zu einem rechnerisch ermittelten Mehrverbrauch von annähernd zwei Prozent gegenüber der Verwendung der Schutzsorte.. Weil der Verbrauch von vielen Faktoren abhängt, variiert der tatsächliche Wert allerdings.

Welche Auswirkungen hat die höhere Ethanol-Beimischung auf den Preis?
Der in Deutschland verkaufte E10-Kraftstoff muss aus heimischen Rohstoffen gefertigt werden und dementsprechend zertifiziert sein, um überhaupt verkauft zu werden. Einfuhren werden mit saftigen Strafzöllen belegt und erfüllen oft die Zertifizierung nicht. Wird zu wenig E10 abgesetzt, müssen Strafzahlungen geleistet werden, welche die Kosten für die Schutzsorte in die Höhe treiben. Zu beachten ist, dass heimisches Ethanol wegen der Zusatzkosten für die Beimischung, der Herstellung eines auf zehn Prozent Beimischung abgestimmten Grundbenzins, der Lagerung und Handhabung teurer ist als konventioneller Kraftstoff.

Wie sieht es mit der Einführung in anderen europäischen Ländern aus?
In Österreich soll E10 flächendeckend bis zum Jahr 2012 erhältlich sein, in Frankreich ist dies schon im ganzen Land der Fall. Hier wird E10 unter der Bezeichnung SP95 E10 offeriert. In allen EU-Mitgliedsstaaten soll ab 2020 E10 verfügbar sein. In Deutschland wird es noch einige Wochen dauern, bis die annähernd 14.000 Tankstellen für das E10-Angebot um- und ausgerüstet sind. 

Kann ich mein Fahrzeug im Ausland bedenkenlos mit E10 betanken?
Der ADAC rät davon ab, sein Fahrzeug mit E10-Kraftstoff im Ausland zu betanken. Als Grund nennt der Autoclub die unterschiedlichen Kraftstoffnormen, die von denen in Deutschland differieren. Auch die Hersteller-Freigaben weichen von denen für Deutschland teilweise ab. Deshalb sollte man im Ausland lieber den herkömmlichen Kraftstoff mit fünfprozentiger Ethanol-Beimischung (E5) in den Tank füllen. Denn: Wer ein E10-taugliches Gefährt besitzt, kann auch E5-Benzin  tanken. 

Fazit:
Dem Verbraucher wird einmal mehr in die Tasche gegriffen werden. Zum einen durch den Preis pro Liter an den Tankstellen, zum anderen durch den Mehrverbrauch. Eigentlich sollte der Verbrauch von Erdöl mit der Ethanol-Beimischung eingeschränkt werden. Ob die Rechnung aufgeht, sei dahingestellt. Bei einem Mehrverbrauch von Minimum zwei Prozent fließt auch mehr Benzin durch die Einspritzdüsen. Auch die Herstellung von Ethanol dürfte kaum ohne Ausstoß von Kohlendioxid gelingen. Und: Welche Auswirkungen der Einsatz von Zuckerrohr, Mais und Getreide für die Ethanol-Herstellung auf die Lebensmittelpreise haben wird, wird sich zeigen.

Bild: @mi/Aral
Autor: Cornelia Wahl

aktualisiert: 06.02.2011 10:10:10