Tibetischer Exilabgeordneter für Europa verliert Sitz im Parlament

05.04.2020 08:12:41 | Cornelia Wahl

Ven. Thubten Wangchen (siehe @thubtenwangchen auf Instagram) hat seinen Sitz im Parlament der Tibetischen Exilregierung verloren. Grund ist, dass er an zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen nicht teilnehmen konnte.

 Zwei Sitzungen verpasst

Der Leiter des Tibethauses in Barcelona (Homepage: Casa del Tibet) war bereit zur Abreise, als die indische Regierung auf Grund der Corona-Pandemie ein Einreiseverbort für Passagiere  unter anderem aus Deutschland, Italien und Spanien verhängte. In übereinstimmenden Presseberichten wird Wangchen zitiert, dass er alles versucht habe, doch noch nach Indien reisen und an der Sitzung teilnehmen zu können. Das sei ihm jedoch nicht gelungen. Die Haushaltssitzung war für den Zeitraum vom 17. bis zum 27. März 2020 angesetzt. Allerdings musste sie auf Anordnung der Regierung des Bundesstaates Himachal Pradesh auf einen Tag reduziert werden, da es ein Versammlungsverbot von mehr als vier Personen gab. 

Verkürzte Haushaltssitzung

Wangchen war nicht der einzige, der an der Sitzung nicht teilnehmen konnte. Auch Vertreter aus Australien und den USA etwa konnten nicht anreisen. Ebenso der zweite Vertreter des Parlaments aus der Schweiz, Jampa. Weil Wangchen bereits bei der Sitzung im September 2019 fehlte, verlor er nun seinen Posten. Damals war er für die Belange der Tibeter und Tibets unterwegs. Er reiste anlässisch der seit  60 Jahren andauernden chinesischen Besetzung Tibets durch 30 europäische Länder, mit dem Ziel, sie dazu zu bewegen, zu einem dringend notwendigen Dialog zwischen dem Dalai Lama und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping beizutragen. (siehe dialogueforpeace_tibet auf Instagram).

Regelwerk kennt keine höhere Gewalt

Das Regelwerk des Tibetischen Exilparlaments sieht vor, dass ein Abgeordneter, der an zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen nicht anwesend ist, ersetzt wird,  Zwar räumte der Sprecher des Parlaments, Pema Jungney, ein, dass Wangchen habe nicht teilnehmen können. Allerdings habe er sich gezwungen gesehen, das Regelwerk anzuwenden. Eine Ausnahme durch Einwirken höherer Gewalt, wie es etwa eine Pandemie ist, sehen die Vorschriften nicht vor. Ähnlich wie Thubten Wangchen jetzt erging es einige Jahre zuvor der Abgeordneten Dolma Gyari. Sie gehörte dem Parlament von 1991 bis 2006 an. Sie war bei der zweiten Sitzung aus persönlichen Gründen nicht anwesend. 

Nachfolger bestimmt

Nachfolger von Ven. Thubten Wangchen ist  Wangpo Tethong, der seit Mai 2014 dem Tibetischen Exilparlament angehört. Der Sohn tibetischer Flüchtlinge wurde 1963 in der Schweiz geboren und ist dort Geschäftsführer und Inhaber eines Kommunikationsunternehmen.