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Tod eines tibetischen Mönchs

09.03.2021 15:41:40 | Cornelia Wahl

Flagge zeigen für Tibet -PlakatEs ist die Geschichte des jungen Mönchs namens Tenzin Nyima. Zusammen mit sechs weiteren Mönchen und anderen Unterstützern setzt sich der 19-Jährige Tamey, wie er von seinen Freunden genannt wird, im November 2019 in Wonpo (Kham) für die Unabhängigkeit Tibets ein. Auslöser für den Protest ist die aktuelle Zwangsumsiedlung, die den Tibeterinnen und Tibetern zunehmend ihre ursprüngliche Lebensweise nimmt. Obwohl der Einsatz der Jugendlichen friedlich ist – sie verteilen Flyer - werden sie verhaftet. Noch bevor Tamey verurteilt ist, muss seine Familie ihn auf Geheiß der Behörden aus der Haft abholen. Sein Gesundheitszustand hat sich auf Grund von Mangelernährung und Folterung in der Untersuchungshaft stark verschlechtert. Doch anstatt die Behörden den jungen Mönch sofort ins Krankenhaus bringen, fordern sie seine Familie auf, ihren Sohn sofort abzuholen. Tamey liegt bereits im Koma. Die Familie bringt ihn umgehend ins Krankenhaus. Doch jede Hilfe kommt zu spät. Tenzin Nyima verstirbt am 19. Januar 2021. Den Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch deuten Dokumente des Krankenhauses darauf hin, dass der 19-Jährige sich bereits zehn Tage vor der Übergabe an seine Eltern in einem kritischen Zustand befunden habe. Tameys Freunde werden zu Haftstrafen zwischen einem Jahr und fünf Jahren verurteilt – für das Verteilen von Flyern beziehungsweise im Fall von Nyimay, einem 22-jährigen Mönch, weil er einen Social-Media-Beitrag über die Verhaftung seines Bruders schrieb.

Menschenrechtsverletzungen seit 62 Jahren

Tenzin Nyimas Geschichte ist nur eine von unzähligen, die von Folterungen, Menschenrechtsverletzungen, Unterdrückung, Verhaftungen, Zwangsarbeit oder Zwangsumsiedlungen erzählt, deren Ursache der friedliche Einsatz für die Selbstbestimmung der Tibeterinnen und Tibeter ist, und der nicht selten mit Misshandlungen, Missachtung der Menschenrechte – und das seit dem 10. März 1959, dem Tag des tibetischen Volksaufstandes, der von der chinesischen Armee in den Tagen darauf blutig niedergeschlagen wird.

Aktionstag erinnert an friedlichen Aufstand des tibetischen Volkes

An diesem Tag versammeln sich annähernd 30.000 Tibeterinnen und Tibeter spontan vor der Sommerresidenz des Dalai Lama aus Sorge um seine Sicherheit. Ihr Ziel: Sie wollen verhindern, dass der Dalai Lama eine Einladung zu einer Theatervorstellung im chinesischen Militärlager annimmt. So gelingt es ihnen, dass der Dalai Lama seine Teilnahme absagt. Gleichzeitig verleihen sie ihrer Unzufriedenheit über die seit zehn Jahren andauernde Besatzung ihres Landes Ausdruck. Und auch Rufe nach einem Abzug der chinesischen Truppen werden laut. In den folgenden Tagen eskaliert die Lage. Den friedlichen Protesten setzen die chinesischen Truppen blutige Militärgewalt entgegen. Sie feuern zunächst Granaten auf die Sommerresidenz des Dalai Lama, dem jedoch die Flucht ins indische Exil gelingt, und schießen wahllos in die Menschenmenge. Über 80.000 Tibeterinnen und Tibeter verlieren ihr Leben, mindestens 25.000 werden verhaftet.

Ein Vierteljahrhundert „Flagge zeigen für Tibet“

Seit 1996 setzen an diesem Tag Städte und Gemeinden in Deutschland ein Zeichen. Sie zeigen Flagge für Tibet und erklären sich solidarisch mit den Tibeterinnen und Tibetern, die schon der Besitz eines Bildes des Dalai Lama ins Gefängnis bringen kann. Heuer wehen an annähernd 430 Rathäusern tibetische Flaggen.

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Bild: © Tibet Initiative Deutschland